CASANOVAS TRAUM - Aufbrüche und ihre Metamorphosen

Zeit: Samstag, 06. April 2019 bis Samstag, 04. Mai 2019
Ort: Schloss Fasanerie, Badehaus
Sonstige Bemerkungen: 3.00 EUR; 2.00 EUR (ermäßigt)

Von ganz verschiedenen Seiten haben die Künstlerinnen und Künstler Bilder der Öffnung geschaffen. Benjamin Reich erlebt in Begegnungen und Wegen zeitgenössischer Menschen die Möglichkeit zu einem anderen Leben. Ingeborg zu Schleswig-Holstein lässt uns mitvollziehen, wie sich ihr unsere Welt in ungeahnte Dimensionen der Farbe und der Bewegung öffnet. Auf andere Weise ist ihr darin die gestische Malerei von Rudolf zur Lippe verwandt.

Die Assemblagen von Marie Louise von Plessen öffnen über Bildern der Kunstgeschichte Vorstellungen im Kontrast der Proportionen, der Effekte und so auch in den Gegensätzen der Bedeutungen, indem sie sich konsequent alles Anekdotische verbietet.

Man hat Casanovas Roman eine Utopie genannt. Vor allem aber sieht seine Fantasie Menschen unserer Größe in eine Welt viel kleinerer uns ganz ähnlicher Wesen versetzt, die dagegen moralisch größer sind. Utopisch ist daran die Aufforderung, uns neu zu erfinden, überhaupt. Faktisch trägt er nur eine sterile Rationalisierung seiner absolutistischen Ständegesellschaft vor.

„Fortschrittlich“ ist sie wohl in der Befreiung von Naturgegebenheiten wie der „Empfängnis in Schmerzen“ oder von den Ungewissheiten der Liebe. Dagegen stellt er in seiner Begeisterung für eine hemmungslose technische Ergreifung des Lebens keine Fragen. Darin der gegenwärtigen Perfektionswut für eine globalisierte Digitalisierung immer noch vergleichbar.

Pascual Jordan hat für diese Ausstellung den Wechsel von Groß und Klein auch in den Formaten, von wirklichen Öffnungen und ihrer Verirrung über die Jahrhunderte aufgenommen. Dazu lädt der Ort des im Kleinen konzentrierenden Badehauses gegenüber der bedeutenden Größe des Schlosses auf seine Weise ein.

Rudolf zur Lippe hat mit den Freunden Bernhard Heiliger und Alexander Camaro aus Fragmenten des Weltbildes zur Zeit von Casanova und der Encyclopédie de Diderot, also des späteren 18. Jahrhunderts, Collagen entstehen lassen, die großen Wünschen Räume schaffen und vor deren Fraglosigkeit warnen, mit viel Humor. Sie loten damit die Perspektiven eines surrealen Vorstellungsvermögens aus, das jenen 60er Jahren auch unabsichtlich so nahe sein konnte, wie es gegenwärtig neu sinnvoll erscheinen kann. In Öffnungen denken und dabei sich warnen lassen vor einer „Falle der Perfektion“, die heute besonders algorithmische Digitalisierung heißt. Und tatsächlich hören wir, seit die Ausstellung so entworfen wurde, demnächst in der Berliner Akademie von „Erfahrungen einer Reise ... auf der Suche nach positiven Zukunftsbildern von Jugendlichen und jungen Erwachsenen“, die sich also einem monolithischen „Realismus der Effizienz“ entringen.

Öffnungszeiten:

Samstag, Sonntag sowie an Feiertagen von 11.00 Uhr bis 17.00 Uhr; Badehaus.