Die Wohnung von Prinzessin Marianne und Prinz Wilhelm von Preußen im Berliner Schloss

Vom ersten Kennenlernen im Sommer 1803 bis zur Trauung im Januar des darauf folgenden Jahres stand nicht viel Zeit zu Verfügung, und so war bei Einrichtung der gemeinsamen Wohnung Eile geboten. Prinzessin Marianne von Hessen Homburg (1785-1846) und ihr Bräutigam, Prinz Wilhelm von Preußen (1783-1851) hatten von dessen Bruder, dem preußischen König Friedrich Wilhelm III. als Unterkunft die südwestliche Hälfte im zweiten Obergeschoss des Berliner Schlosses zugewiesen bekommen.


Die im „doppelten Appartement“, d.h. in zwei Reihen nebeneinander angelegten Räume waren renoviert und mit den zunächst notwendigen Möbeln ausgestattet worden. Sie sollten sich von nun an in ständigem Wandel und Veränderung befinden.

Bis zur endgültigen Auflösung nach dem Tod Prinz Wilhelms ist die Wohnung von der Familie 47 Jahre lang genutzt und belebt worden. Zunächst vom jungen Paar gemeinsam, dann auch, während politisch bedingter Abwesenheit Wilhelms, von Marianne allein. Kurze Zeit später waren die Räume verwaist, als man 1806 vor den Franzosen ins Exil floh. Bald nach der Rückkehr 1809 sollten sie sich immer mehr füllen. So waren oft die königlichen Kinder zu Besuch, die 1810 ihre Mutter, Königin Luise, verloren hatten. Zwischen 1811 und 1825 kamen eigene Kinder hinzu, im Wechsel zwei Jungen und zwei Mädchen, die, als sie größer wurden, ihre eigenen Zimmer und kleinen Wohnungen im Schloss erhielten.

Im Winter gab man gern Gesellschaften, saß im „Grünen Zimmer” zum Tee, las sich vor, trieb verschiedene Studien. In den Sommermonaten verließ man die Wohnung in Berlin auch für längere Zeit und begab sich aufs Land, in den späteren Jahren vor allem im schlesischen Schloss Fischbach.

Moden und Vorlieben änderten sich im Laufe der Jahre, und so tun sich in Einrichtung und Möblierung bisweilen nicht zu übersehende Spannungsfelder auf, zwischen der Strenge höfischer Wohnkultur und einer Sehnsucht nach privater Gemütlichkeit.

Allein über die Darmstädter Linie des Hauses Hessen, in Person von Prinzessin Elisabeth, sind 22 Interieurs aus der Wohnung überkommen, angefertigt innerhalb eines Zeitraums von etwa zwanzig Jahren, viele zudem von den bedeutendsten Spezialisten unter den „Zimmermalern”. So ergibt sich ein – in der Gesamtheit ein zunächst vielleicht verwirrendes, im Ablauf der Veränderungen jedoch sehr aufschlussreiches – Bild einer fürstlichen Wohnung in der Mitte des 19. Jahrhunderts.
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