Die Arbeitsweise der „Zimmermaler“

Am 19. Januar 1836 verzeichnete der Berliner Architekturmaler Eduard Gaertner in seinem Schreibkalender, in dem er minutiös seine tägliche Arbeitsleistung protokollierte: „(…) zum Fürsten Wittgenstein, wo ich den Auftrag annahm 2 seiner Zimmer aufzunehmen und in Aquarell auszuführen.“ 25 Tage arbeitete Gaertner an diesen beiden Interieurs. 141 Taler und 15 Silbergroschen erhielt er als Lohn.

Dieses Beispiel zeigt, dass die „Zimmermalerei“ enorm aufwendig war. Zunächst wurde vor Ort gearbeitet. Neben perspektivischen Studien zum gesamten Raum fertigten die Maler diverse Bleistiftskizzen zu einzelnen Ausstattungsstücken an. Häufig wurden die Studien partiell koloriert oder mit schriftlichen Farbangaben versehen für die spätere farbige Ausführung. Anhand dieser Skizzen sowie eines Grundrisses und eines Höhenschnittes konstruierte der Künstler im Atelier das maßstabsgerechte Interieur. Meistens bevorzugten die Auftraggeber eine einfache Guckkastenperspektive, bei der drei Wände des Zimmers vollständig dokumentiert werden konnten. Gerade Gaertner entwickelte sich jedoch zum Meister in der Konstruktion komplizierter Schrägansichten und raffinierter Durchsichten. Dennoch bot das Genre der künstlerischen Entfaltung nur wenig Raum. So empfand der Österreicher Rudolph von Alt, der zum Broterwerb diverse Innenansichten von Schlössern anfertigte, derartige Aufträge als große Last: „Ich bekomme schon wieder mehr Übung im mahlen,“ schrieb er 1842 an seine Frau, „ich fühle, dass es nothwendig war, mich von der Zimmerarbeit loszureissen.“


Die „Zimmermalerei“ setzte eine gründliche Ausbildung im perspektivischen Zeichnen voraus. So waren es vor allem die Architekturmaler, die sich in dieser Disziplin hervortaten. Wie der Münchner Maler Gustav Seeberger arbeiteten sie darüber hinaus häufig als Lehrer für Perspektive an den Akademien und publizierten Lehrschriften auf diesem Gebiet. Als technisches Hilfsmittel wurde gerade bei den späteren Interieurs die camera obscura eingesetzt. Auch Gaertner hat sie nachweislich benutzt. Ab 1860 wurde das Interieuraquarell nach und nach durch die Fotografie abgelöst.

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