Sonderausstellung 2004 in Schloss Fasanerie:
Interieurs der Biedermeierzeit
Zimmeraquarelle aus fürstlichen Schlössern
im Besitz des Hauses Hessen


Museum Schloss Fasanerie - Badehaus
26. Juni bis 26. September 2004

Porträts von Innenräumen sind das Thema der diesjährigen Sonderausstellung im Badehaus von Schloss Fasanerie. Gezeigt werden Raumansichten, die den Betrachter mit einer faszinierenden Detailgenauigkeit überraschen. Von den Wanddekorationen über das Mobiliar bis hin zu den kleinen Gegenständen auf Schreibtischen und Regalen ist alles exakt wiedergegeben. Bei den meisten Blättern ist auch die jeweilige Tagesstimmung eingefangen, in der ein Raum porträtiert wurde.

Spezialisierte Künstler, die sogenannten „Zimmermaler“, fertigten diese Bilder ausschließlich im Auftrag an. Aufwand und Kosten waren dabei nicht unbeträchtlich, so benötigte ein Meister seines Fachs für zwei Interieurs etwa 25 Tage. Als künstlerische Technik eignete sich die Malerei mit Aquarellfarben auf Papier, die exaktes Kolorieren über einer genau konstruierten Vorzeichnung mit Bleistift und Feder zuließ. Das kleine Blattformat des Zeichenblocks erlaubte dem Maler überdies eine größere Beweglichkeit, denn oft konnte er nur für wenige Stunden in dem zu porträtierenden Raum zeichnen.

Die Abbildung spezieller Interieurs wurde zu einem wichtigen Dokument für den Bewohner, der dieses Zimmer aus persönlichen Gründen in Erinnerung behalten wollte. Meist wurden die Bilder zum Andenken an bestimmte Lebensphasen in Auftrag gegeben, die durch räumliche Veränderungen, wie Umzüge, Hochzeiten oder Todesfälle bedingt waren. Vor der Erfindung der Fotografie, boten sie die einzige Möglichkeit, sich eine bleibende Erinnerung an bestimmte Orte und Situationen zu erhalten. Die Zimmeraquarelle wurden meist in Alben verwahrt.

Stimmungsvoll und vielfältig sind die Ansichten, faszinierend die technischen Fertigkeiten der Künstler. Dem historisch interessierten Betrachter liefern sie einen interessanten Einblick in historische Wohnformen dieser Zeit, und sie zeigen manches Spannungsfeld zwischen traditioneller höfischer Wohnkultur und dem bürgerlichen Stil des fortgeschrittenen 19. Jahrhunderts. Wer sich für Innenraumdekorationen interessiert, findet in der Ausstellung einen breiten Fächer an Anregungen für Gestaltungen mit Wandfarbe, Stoff, Möbeln und Pflanzen im Wohnraum.
Das Haus Hessen öffnet nun für einige Wochen seine Familienalben und zeigt eine Vielzahl der interessantesten Interieurs aus verschiedenen Schlössern und gestattet damit seltene Einblicke in die fürstliche Wohnkultur des 19. Jahrhunderts. Die weite Verzweigung der hessischen Familie, in diesem Fall vor allem der großherzoglich darmstädtischen Linie, bringt es mit sich, dass sich diese Galerie von der Münchner Residenz bis nach St. Petersburg spannt. Dazwischen ist viel Raum für Ansichten aus Darmstadt, für Innenräume der Schlösser in Berlin und Potsdam sowie seltene, bisher unveröffentlichte Interieurs aus Schloss Fischbach, einem preußischen Anwesen in Schlesien.
Weitere Informationen zur Austtellung
Alben
Arbeitsweise der 'Zimmermaler'
Schloss Fischbach - 'Das schlesische Elysium'
Die Wohnung von Prinzessin Marianne und Prinz Wilhelm von Preußen im Berliner Schloss
Die Alben von Prinzessinnen aus dem Hause Hessen-Darmstadt


Katalog zur Ausstellung
Zur Ausstellung ist ein Katalog erschienen,
mit 272 Seiten und über 170 farbigen Abbildungen.
Preis: 19,80 €
Der Ausstellungskatalog kann online bestellt oder an der Museumskasse direkt erworben werden.