Sonderausstellung im Museum Schloss Fasanerie 2003
verlängert bis 2.11.2003!
Die Schlösser der gepriesenen Insel
Zwei imaginäre Königreiche beheimatet das Museum Schloss Fasanerie im Sommer 2003. Es sind die Kleinststaaten Dyonien und Pelarien auf der gepriesenen Insel des Planeten Centus mit ihren Schlössern Pyrenz und Perenz. Hinter den Fassaden tun sich Innenräume auf mit Marmorböden, Spiegeln und Parkett, Stuck und Supraporten, Tapeten und Leuchtern. Feinste Gemälde, Skulpturen und Möbel „prunken“ in gegenseitigem Wettstreit um die perfekte Illusion, doch alles existiert nur en miniature - im Maßstab 1:50.
Mit sicherem Stilempfinden und hoher Kunstfertigkeit sind wunderbare Kleinstwelten des Rokoko und des ausgehenden 18. Jahrhunderts entstanden.
Es gibt keine realen Vorbilder für die Schlösser der gepriesenen Insel, sie sind nicht historisch und doch hat jedes Gebäude seine feste Geschichte und jedes Ding seine Bestimmung. Sie sind gebaut für Könige, die mit ihrem schrulligen Hofstaat die Räume beleben. Jede Figur hat ihren Namen, ihre Legende und ihren Stammbaum, aber sie darf nicht viel mehr als daumennagelgroß sein. Selbst Flohzangen gibt es und Zeitschriften, die allerdings nur mit der Lupe zu lesen sind.

Die Schöpfer der gebauten Miniaturen sind der Restaurator Gerhard Bätz und der Bühnenbildner Manfred Kiedorf, die in ihren Schlössern ein imaginäres, barockes Hofleben inszenieren, das auch den Alltag der beiden Künstler durchdringt. Die Szenerien entstammen einer an Ideen und Sprachwitz reichen Phantasiewelt. Eine Idee davon vermittelt der umfangreiche und über Jahre gepflegte Briefwechsel zwischen ihnen, der selbst eine Ansammlung graphischer Kunstwerke ist.

Im Jahr 1953 schlug die Geburtsstunde des „Prunks“ – so tauften die Künstler ihren phantastischen Mikrokosmos, in dem zunächst aus einfachen Halmafiguren „belebte“ Spielsteine entstanden. Diese verwandelten sich zu zweibeinigen Gestalten, die sich im Verlauf von 50 Jahren schließlich zu filigranen Figürchen von grenzenloser Perfektion entwickelten. Die Herrscher wechselten und neue Gestalten traten hinzu: der Hofpoet Erich vom Sauerteige, der Narr Gregor Miesi Pedes, Finanzminister, Hofarchitekten, Dichter, Zuckerbäcker und Hofdamen. „Ein königlicher Befehl besagt, jeder männlichen Figur müsse wenigstens eine weibliche folgen.“

Ihren Ursprung haben die Schlösser der gepriesenen Insel in den gemeinsamen Kleinstadterlebnissen von Gerhard Bätz und Manfred Kiedorf im thüringischen Sonneberg, doch wachsen sie im wiedervereinten Deutschland weiter, ungeachtet biographischer Einschnitte und beruflicher Veränderungen – jetzt in Fulda und Berlin – bis heute.


Museum Schloss Fasanerie
Badehaus
Eichenzell bei Fulda
10. Mai bis
02. November 2003

Katalog zur Ausstellung
Zur Ausstellung erscheint ein wissenschaftlicher Katalog, in dem alle Exponate beschrieben und farbig abgebildet sind. Er kann online bestellt oder an der Museumskasse direkt erworben werden.